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Meine Nachbarin war die Urenkelin vom Schöpfer der Christusstatue (Lucinda Riley)

Lucinda Riley über ihr erstes Buch der Reihe DIE SIEBEN SCHWESTERN


Die Sieben-Schwestern-Serie basiert auf Sagen um das Siebengestirn der Plejaden (auch die Sieben Schwestern genannt), und es handelt sich um ein breit angelegtes Projekt: sieben Bücher, sechs davon über jeweils eine der Schwestern, die Pa Salt aus der ganzen Welt in sein märchenhaftes Anwesen Atlantis auf einer abgeschotteten Halbinsel am Genfer See gebracht und adoptieMaiart hat.

Es sind so viele Fragen über die Serie und mögliche Antworten auf die noch ungeklärten Rätsel aus dem ersten Band bei mir eingegangen, dass ich beschlossen habe, jedem Buch einen Abschnitt mit Fragen und Antworten anzufügen.

Für mich ist die Serie eine einzige lange Geschichte in sieben Teilen, von denen jeder auch allein stehen kann. Die Geschichten der Schwestern lassen sich in beliebiger Reihenfolge lesen, weil alle Bücher zu genau demselben Zeitpunkt beginnen. Jedem der Romane liegt eine verborgene Handlung zugrunde, die Basis für den siebten Band ...

Die Recherchen zu den allegorischen und historischen Elementen der Handlung haben mich vor große Herausforderungen gestellt; ich hoffe, mit den folgenden Fragen und Antworten den Hintergrund der Serie und auch die Geschichte um Maia erhellen zu können. Außer bei den technischen Aspekten habe ich mich bei den Sieben Schwestern ganz von meinen Figuren leiten lassen, und ich habe mich beim Schreiben auf eine oft bewegende und überraschende Reise mit ihnen begeben, zu der ich auch Sie, meine Leserinnen und Leser, einladen möchte.

Auf www.thesevensistersseries.com können Sie mehr über die mythologischen und astronomischen Aspekte der Plejaden, über die Errichtung der Christusstatue in Rio de Janeiro sowie den Bildhauer Paul Landowski und Paris in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfahren.

Herzlichen Dank dafür, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Maias Geschichte zu lesen - ich weiß, sie ist ziemlich lang, aber ich kann eine Story immer erst dann abschließen, wenn meine Figuren mir sagen, dass sie zu Ende ist ... fürs Erste ...

Lucinda



Die Sieben Schwestern (Band Eins der Serie), Fragen und Antworten

1. Wie wurden Sie zu den Sieben Schwestern und einer Serie mit sieben Büchern angeregt?

Als ich im Januar 2013 für meinen Roman recherchierte, wollte ich ein neues Element für meine Geschichte finden, die wie immer auf einer Gegenwarts- und einer Vergangenheitsebene spielen sollte, einen übergreifenden Aspekt, etwas, das mich - und meine Leserinnen und Leser - herausfordern und die Spannung hochhalten würde. Ich habe seit jeher gern den Sternenhimmel, besonders die Konstellation der Sieben Schwestern, beobachtet, und als ich in einer frostigen Nacht in Norfolk zu den Sternen hinaufblickte und dabei an unsere eigenen sieben Kinder dachte, kam mir die Idee zu einer Serie mit sieben Büchern, die auf den Sagen um die Plejaden basiert.

2. Was hat Sie dazu bewogen, Rio und die Christusstatue als Hintergrund für Ihre Geschichte zu wählen?

Bei einer Lesereise durch Brasilien verliebte ich mich in Land und Leute und merkte, dass ich noch nie ein Buch gelesen hatte, dessen Handlung dort angesiedelt war. Als ich den Corcovado hinauffuhr, um den Cristo zu bewundern, überlegte ich, wie die Statue mehr als achtzig Jahre zuvor errichtet worden war und was sich dabei wohl abgespielt hatte. Bei meinen Recherchen stieß ich schließlich auf die Frage, wessen Hände als Vorbild für die Statue dienten ...

3. Wie lange waren Sie zu Recherchen für den Roman in Brasilien?

Ich habe einen Monat in einer Wohnung in Rio de Janeiro verbracht. Dabei entdeckte ich zufällig, dass meine Nachbarin Bel Noronha war, die Urenkelin von Heitor da Silva Costa, dem Architekten und Schöpfer der Christusstatue. Sie gewährte mit Einblick in seine Tagebücher und Dokumente, die in der Zeit der Errichtung entstanden waren. Anschließend fuhr ich in die Berge, in die Santa Tereza Fazenda, eine alte Kaffeeplantage, wo Bel in meinem Buch aufwächst. In der Geschichte meiner Heldin Maia beschreibe ich die wunderbar lebhafte Stadt Rio, die wie jede andere ihre positiven und ihre negativen Seiten hat. Ein Teil meines Romans spielt in einer Favela - auch in der Nähe meiner Wohnung in Rio befand sich eine, von der ich jeden Abend Samba-Musik hören und Drachen hochsteigen sehen konnte. Als Maia diesen Teil ihrer Herkunft erforscht und die Kinder beobachtet, wie sie für den Karneval Samba tanzen lernen, wird ihr klar, dass sie um ihr Leben tanzen. Weil ich das mit eigenen Augen gesehen hatte, musste ich beim Schreiben dieser Kapitel mehr als einmal mit den Tränen kämpfen.

4. Eine Serie mit sieben Büchern zu konzipieren, stellt bestimmt eine große Herausforderung dar. Hatten Sie bereits die gesamte Handlung im Kopf, als Sie mit dem Schreiben anfingen?

Ja, und zu wissen, wie die nächsten sechs Jahre aussehen werden, empfinde ich als positiv. Obwohl jedes Buch für sich allein stehen kann und die Geschichte jeweils einer Schwester erzählt, verstehe ich sie alle als Teil eines großen Familienepos, bei dem ich fürs Erste am Ende eines Romans nicht mit der unbequemen Frage Und was schreibe ich als Nächstes? konfrontiert sein werde. Und noch schöner: Ich muss mich lange nicht von meinen Figuren trennen, denen ich immer nachtrauere, wenn ein Buch abgeschlossen ist.

Dieses Projekt ist aufregend vielschichtig. Ich folge nicht nur den Sagen um die Sieben Schwestern, sondern auch einer übergreifenden Handlung, die sich durch sämtliche Bände der Reihe zieht und erst im letzten ganz aufgeklärt wird. Details dazu sind jedoch in allen Romanen verborgen.

5. Der mythologische Aspekt zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichten. Welche Mythen haben Sie gewählt, und was hat Sie dazu bewogen, die Serie um sie herum aufzubauen?

Die Serie erhält durch die astrologischen und mythologischen Aspekte eine zusätzliche Ebene. Um die Sieben Schwestern ranken sich zahlreiche Sagen aus der Kultur der Mayas, der Griechen und sogar der Aborigines.

Für mich bilden die der Griechen die Grundlage. Großes Vergnügen hat es mir bereitet, Anagramme und Hinweise auf diese Mythen in die Handlung einzuflechten. Meine jüngste Tochter Leonora hat mich auf den Namen des Adoptivvaters der Schwestern gebracht, ein Verweis auf den Titanen Atlas, auf dessen Schultern die Welt und der Himmel der Sage nach ruhen. Dazu kam noch das P für die Mutter Pleione, sodass am Ende Pa Salt entstand, ein, wie ich meine, perfekter Name für einen Vater, der das Meer liebt. In den Romanen finden sich zahlreiche weitere Anagramme.

Meine Leserinnen und Leser müssen die Mythen nicht kennen, um die Geschichten zu verstehen. Ich hingegen muss meine Schwestern als moderne Frauen präsentieren. Die älteste Schwester Maia besitzt zwar zahlreiche Eigenschaften ihres Pendants aus der griechischen Mythologie, ist aber trotzdem durch und durch eine junge Frau des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

6. War es schwierig, Maias Geschichte an der ihres mythologischen Vorbilds auszurichten, und wie würden Sie sie charakterisieren?

In den griechischen Sagen ist Maia für ihre außergewöhnliche Schönheit und ihr Einsiedlerdasein bekannt; sie wird dargestellt als scheue Frau, die allein in einer Höhle lebt, und gilt als fürsorgliche Mutter, und genau darauf berufe ich mich in meinem Roman. Obwohl die moderne Maia privilegiert aufgewachsen ist, hat sie kein leichtes Leben. Als älteste Schwester fühlt sie sich für die Familie verantwortlich. Maia ist die einzige Schwester, die noch auf dem Familienanwesen Atlantis am Genfer See lebt, und zwar alleine in einem Pavillon. Der Tod ihres Vaters erschüttert sie in ihren Grundfesten und zwingt sie dazu, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, der sie sich so viele Jahre nicht stellen wollte. Ihre Odyssee nach Brasilien, um mehr über ihre Herkunft zu erfahren, verändert alles, und ganz allmählich lernt sie, sich wieder dem Leben und der Liebe zuzuwenden.

In vielen Sagen werden die Schwestern Opfer von sexwütigen, plündernden griechischen Göttern. Die Figur von Zeus, dem König der Götter, der Affären mit drei der Schwestern hatte, ist in meinen Geschichten in zwei Personen - Vater und Sohn - aufgespalten, um sie dem modernen Geschmack anzupassen.

7. Viele Figuren in den historischen Teilen basieren auf Personen, die real existierten. Hat diese Tatsache das Schreiben des Buchs leichter oder schwieriger gemacht, und wird das in den folgenden sechs Romanen genauso sein?

Herausragenden Menschen der Vergangenheit neues Leben einzuhauchen war tatsächlich eine Herausforderung und erforderte intensive Recherchen. Ich habe alles über Paul Landowski gelesen, was ich in die Finger bekommen konnte, und das Museum in Boulogne-Billancourt, Paris besucht. Außerdem erhielt ich, wie erwähnt, durch Bel Noronha Zugang zu Heitor da Silva Costas Tagebuch. Es ist leichter, Persönlichkeiten zu beschreiben, wenn man private Texte kennt.

8. Das Paris der zwanziger Jahre war ein aufregender Ort voller Lebensfreude. Wie ist es Ihnen gelungen, die Atmosphäre einzufangen?

Da ich französische Vorfahren habe und jeden Sommer in Frankreich verbringe, liegt mir dieses Land seit jeher am Herzen, besonders das Paris des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, das damalige Zentrum der Kunstwelt. Einer meiner Lieblingsschriftsteller ist Scott Fitzgerald, der in der Zeit, in der mein Roman spielt, eine Weile in Frankreich lebte. Er und seine Frau Zelda gehörten zu dem Künstlervölkchen, das den ganzen Tag trank und die ganze Nacht tanzte. Wenn ich mir irgendeine Zeit in der Geschichte der Menschheit aussuchen könnte, in der ich gern leben würde, wäre es diese!

9. Welche historischen Fakten über Rio und die Christusstatue haben Sie am meisten fasziniert?

Ich bin immer wieder beeindruckt von der bloßen Größe der Christusstatue und der genialen Leistung Heitor da Silva Costas, sie trotz ihres enormen Gewichts auf dem Corcovado zu errichten. Bei meinen Recherchen erfuhr ich, dass die Außenhülle aus Tausenden von winzigen Specksteindreiecken besteht. Die Frauen der gehobenen Gesellschaft schrieben wie Bel Bittgebete für geliebte Menschen auf die Rückseite, bevor sie sie auf Maschendraht zu großen Quadraten klebten. Auch die Geschichte von dem Modell für die Hände fand ich interessant. Lange Zeit war man davon ausgegangen, dass es sich um die Hände von Margarida Lopes de Almeida handelte, einer berühmten kunstsinnigen Brasilianerin. Doch auf dem Sterbebett gestand sie, dass es nicht die ihren waren, und daraus entwickelte sich die Idee zu meiner Geschichte ...

10. Einige der Liebesbeziehungen in diesem Roman bringen Spannungen oder Kummer mit sich. Hat es Sie emotional belastet, das Buch zu schreiben?

Beim Verfassen eines Romans lebt man täglich vierundzwanzig Stunden mit den Figuren und baut eine enge Beziehung zu ihnen auf. Da ich früher Schauspielerin war, fühle ich mich vermutlich besonders stark zu ihnen hingezogen. Es kann emotional sehr anstrengend sein, traurige Passagen zu schreiben. Weil ich meinen Figuren so nahe bin, bringt es mich aus der Fassung, wenn ich ihnen kein positives Ende schenken kann. Oft weine ich nicht nur, wenn ich den ersten Entwurf meiner Romane (häufig im Freien) ins Diktafon spreche, sondern auch noch später beim Überarbeiten.

11. Können Sie uns schon etwas über das nächste Buch der Reihe verraten? Welche Schwester wird im Mittelpunkt stehen?

Die Sturmschwester konzentriert sich auf Ally oder Alkyone, die zweite Schwester. Ally ist ganz anders als Maia. In der griechischen Mythologie wacht sie als Anführerin über das Mittelmeer, damit Seeleute es sicher überqueren können. Meine Ally ist Profiseglerin und besitzt auch eine ausgeprägte musikalische Begabung. Sie ist mutig und stark, und ich bewundere sie sehr.

Die Sturmschwester beginnt im selben Moment wie die Geschichte von Maia, als Ally vom Tod von Pa Salt hört. Wie Maia erhält sie Hinweise, mit deren Hilfe sie mehr über ihre Herkunft erfahren kann. Sie führen sie nach Norwegen, wo sie einiges über die junge Anna Landvik herausfindet, die im Jahr 1875 Gelegenheit erhielt, ihr kleines Dorf in den Bergen zu verlassen und in Christiania in der ersten Inszenierung von Henrik Ibsens Versdrama Peer Gynt zu singen, für das Edvard Grieg die Peer-Gynt-Suite komponierte. Darin finden sich sowohl die berühmte Morgenstimmung als auch In der Halle des Bergkönigs. Selbst wenn Ihnen diese Titel nichts sagen sollten, würden Sie die Stücke sofort erkennen, wenn Sie sie hören, da bin ich mir sicher.

Die Sturmschwester ist in gewisser Hinsicht ein noch ehrgeizigeres Projekt als Maias Geschichte, weil Ally bis ins Jahr 1875, also einhundertvierzig Jahre, zurückreisen muss, um mehr über ihre Herkunft zu erfahren, und das ist ein immenser Zeitraum. Dieser Roman wurde von meiner Liebe zu Norwegen und den Norwegern inspiriert und natürlich von Griegs wunderbarer Musik. Ich habe mich intensiv mit Ibsen und Grieg, zwei Ikonen der Kunstwelt, beschäftigt, und hoffe, ihre magische Zeit und die eindringliche Musik Griegs angemessen eingefangen zu haben. Und natürlich führe ich das Geheimnis um Pa Salts Tod und wer er wirklich wahr, weiter.

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